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Ein Jahr, das dich zum Strahlen und Wachsen bringt

Ein aufgeregtes Kribbeln durchströmte meinen Körper, als ich mit dem Bus über die Fehmarnsundbrücke fuhr. Wie würden die anderen Freiwilligen, die Mitarbeitenden und die Klienten sein? Wo werde ich wohnen? Welche Aufgaben werden auf mich zukommen?  Lauter Fragen hatten sich in meinem Kopf angesammelt und nun würde ich bei meiner Hospitation Antworten finden. Zum Glück wurde ich am Bahnhof Burg von einem anderen Freiwilligen abgeholt. So konnte ich schon während der kurzen Autofahrt ein paar Fragen loswerden. Als ich in der WG ankam, dauerte es nicht lang, bis sich ein warmes Gefühl ausbreitete. Sie war schön eingerichtet, gemütlich mit Holzmöbeln und vor allem die Freiwilligen, die bereits in dem Haus wohnten, sorgten für eine angenehme Atmosphäre. Es stellte sich heraus, dass wir Life Challenge ganz einfach zu Fuß erreichen konnten. Da ich gerne ausschlafe, entpuppte sich der kurze Arbeitsweg als gewaltiger Vorteil. Schon am Anreisetag bekam ich eine kurze Führung durch die Klinik. Ich war überrascht, dass sie wirklich so schön wie auf den Bildern im Internet aussah. Die Klienten und Mitarbeitenden, die uns begegneten, strahlten alle eine Freundlichkeit sowie Offenheit aus und ich wusste, hier würde ich mich wohlfühlen.

Hi, ich bin Ellen, 22 Jahre alt und habe von September 2023 bis September 2024 ein FSJ bei Life-Challenge absolviert. Davor habe ich als Finanzwirtin gearbeitet, jedoch das Bedürfnis nach etwas Neuem gespürt. Mein Plan war es Psychologie zu studieren und vorher praktische Erfahrungen in Kliniken zu sammeln. Der Gedanke auf einer Insel zu leben, reizte mich. Doch dass es so schön und aus geplanten 6 Monaten ein ganzes Jahr werden würde, hatte ich dann doch nicht erwartet.

Dieses Jahr hat mich nicht nur in meiner beruflichen Entscheidung gefestigt, sondern mich auch dem Glauben, der Natur und liebevollen Menschen nähergebracht. Jeder Arbeitstag, jeder Seminartag und jeder Freizeittag waren abwechslungsreich und mit Leben gefüllt.

In den Frühschichten kauften wir z.B. für das Küchenlager ein, nahmen an Teamgesprächen teil, übernahmen Telefondienste, begleiteten Klienten zu Ärzten und Behörden, führten Geldbuchungen durch, verwalteten den Besitz der Klienten, kümmerten uns um die Autopflege, durften in Großgruppen dabei sein, neue Klienten willkommen heißen und gelegentlich mit den Klienten an Alpaka-Spaziergängen teilnehmen.

In den Spätschichten fuhren wir mit den Klienten zu verschiedenen Stränden. Egal ob die Steilküste Wulfen und Katharinenhof oder die nicht so weit entfernten Strände wie Altenteil, Teichhof und der Ostseestöpsel, es war immer ein Erlebnis. Ich habe es sehr geschätzt, dass wir selbst entscheiden durften, wie wir die Spätschicht gestalten möchten und dabei auch die Ideen der Klienten miteinbeziehen konnten. Motivierte Backaktionen, lustige Spieleabende, gemeinsames Musizieren und Gespräche mit Stockbrot am Lagefeuer werden mir in Erinnerung bleiben.

Natürlich gab es bei der Arbeit mit Abhängigkeitserkrankten auch schwierigere Momente wie z.B. Therapieabbruchgedanken. Ich war beeindruckt, wie sich die Klienten in solchen Situationen neben Gesprächen mit geschultem Personal auch gegenseitig dazu motivierten, die Therapie durchzuziehen. Jeden Montag hatten wir Freiwilligen ein Gespräch mit unseren Anleiterinnen. Hier wurde uns Raum gegeben, ehrlich zu äußern, wie es uns gerade geht und was uns beschäftigt. Außerdem wurde besprochen, welche Aufgaben anstehen und wie wir sie verteilen möchten. Zusätzlich gab es alle paar Wochen ein Gespräch mit einem Supervisor. Dadurch habe ich mich während des gesamten Jahres sehr gut betreut gefühlt.

Die Seminare des Trägers „netzwerk-m“ haben dafür gesorgt, dass wir mit Freiwilligen unterschiedlicher Einsatzstellen in Kontakt kamen. Gespannt habe ich den Erlebnissen der anderen gelauscht und auch gerne berichtet, was wir auf Fehmarn erlebt haben. Gespräche über den Glauben haben mich zum Nachdenken angeregt und gemeinsames Singen ein Gefühl der Verbundenheit erzeugt. Bei den Seminaren wurden wir außerdem dazu angeregt, uns mit uns selbst und unseren Zielen zu beschäftigen.

Dass ein Sommer auf Fehmarn ein Traum wird, scheint nicht sonderlich verwunderlich zu sein. Von der WG waren wir je nach Windstärke in ca. 10 min mit dem Fahrrad, das man sich von Life Challenge ausleihen konnte, am Strand und kühlten uns in der Ostsee ab. Auf einem Feld mit Blick auf Windrädern, die sich langsam im Sonnenuntergang drehten, picknickten wir Freiwilligen gemeinsam. Wer Lust hatte, konnte sich für einen Surf- oder Kitekurs anmelden. Doch auch die anderen Jahreszeiten auf Fehmarn sind zum Genießen. In der Straße, in der sich das WG-Haus befindet, ragen links und rechts Bäume, deren Blätter sich im Herbst prachtvoll verfärben, in den Himmel empor. Im Winter haben uns kurze Spaziergänge, Gespräche mit warmem Tee, gemeinsame Koch- und Spielabende stärker zusammengeschweißt. In Lübeck waren wir auf dem Weihnachtsmarkt, in Scharbeutz Eislaufen und in Burg auf dem Insel-Karneval. Im Frühling bezauberten uns die vielen Blumen und gelb leuchtenden Rapsfelder auf Fehmarn.

Obwohl Fehmarn eine Insel mit sehr viel Natur ist, stellt das Einkaufen kein Problem dar. Mit dem Fahrrad waren wir in ca. 8 Min beim Aldi und Edeka in Petersdorf. Außerdem durften wir zum Einkaufen auch ein Auto von Life-Challenge benutzen.

Und nun zu dir: Da du bis hierhin gelesen hast, vermute ich, dass du mit dem Gedanken spielst, ein FSJ oder BFD bei Life-Challenge zu machen. Wenn du gerne mit Menschen arbeiten möchtest, Einfühlungsvermögen mitbringst und dir vorstellen kannst, dies auf der wunderschönen Insel Fehmarn zu tun, dann trau dich. Schick deine Bewerbungsunterlagen, mache dir bei den Probearbeitstagen ein eigenes Bild und stelle die Fragen, die vielleicht jetzt gerade in deinem Kopf rumschwirren.

Ich wünsche dir, dass dich dein FSJ/BFD genauso zum Strahlen und Wachsen bringt, wie es bei mir der Fall war. Danke an alle ehemaligen und jetzigen Freiwilligen sowie Mitarbeitenden. Ihr macht Life-Challenge mit eurer Art und eurem Einsatz zu dem großartigen Ort, der er ist.

Liebe Grüße

Ellen